Dietmar Baurecht

Archive for the ‘Kultur’ Category

Stockerau | Der Diener zweier Herren

In Kultur, neu, Theater on 2016/08/11 at 09:53

Das Spiel im Spiel, wo Christoph F. Krutzler den Brighella (Wirt) und den Theaterdirektor einer Wandertruppe spielt, braucht es in Stockerau nicht. „Der Diener zweier Herren“ ist sich selbst genug. Vor allem in dieser flotten und eingespielten Produktion stottert es genau nur dann, wenn der Direktor seine Truppe aus anderen Stücken wie „Hamlet“ oder „Romeo und Julia“ wieder ins Stück zurückführen muss – zwischen diesen beiden Rollen springt der Südburgenländer Krutzler perfekt.

Einen muss man wohl aus dieser ausgezeichneten Ensembleleistung mit perfekt musikalisch, pointierter Geräuschkulisse hervorheben: Okan Cömert gibt dem Diener zweier Herren eine ungeahnte Rasanz. Wie ein Eichhörnchen auf Drogen flitzt er über die Bühne und spielt trotzdem ungeheuer klar und präzise.

„Der Diener zweier Herren“ mit Krutzler in der Doppelrolle läuft noch bis 6. August in Stockerau. Am 13. August ist Krutzler Teil der Lesung auf der Pinka im Rahmen des Picture-On-Festivals. (Dietmar Baurecht)

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 31/2016, S. 37

Theater an der Wien | El Juez

In Kultur, neu, Oper on 2016/08/03 at 18:00

Es beruht wohl auf Vertrauen, dass der Burgenländer Christian Kolonovits für José Carreras eine eigene Oper schreiben konnte. Der Juli bot die Chance, „El Juez“ (Der Richter) im Theater an der Wien zu sehen. Kolonovits jongliert zwischen Jazz, Pop, Rock und spanischem Kolorit – lässt Oper und Musical eine Liaison eingehen und bietet einen gefälligen Einstieg ins tragische Musiktheater.

Das Libretto schrieb die Burgenländerin Angelika Messner. Sie konstruierte ein gut verwobenes Libretto, das auf einer realen Begebenheit beruht – der Verschleppung von Kindern unter der spanischen Franco-Diktatur.

Die Rolle des diktaturstützenden Richters, aber auch daran zweifelnden Richters ist auf Carreras abgestimmt. In dieser Rolle entdeckt er seinen Bruder, einen Liedermacher, erst bei dessen Tode. Diese gegensätzlichen Paare tragen diese Oper. Die Inszenierung von Emilio Sagi im Theater an der Wien hätte aber durchaus stärker das entsetzliche Thema transportieren können und die Sänger ein Mehr an Personenführung vertragen.

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 30/2016, S. 33