Dietmar Baurecht

Die Zauberflöte im Steinbruch

In neu on 2019/08/03 at 14:02

Wer imposante Massenauftritte und den überdimensionalen Wolkenstrudel – der erst in der Nacht seine volle Leuchtkraft entfaltet – schätzt, ist bei dieser „Zauberflöte“ in St. Margarethen gut aufgehoben. Attilio Glaser als phlegmatischer Tamino ist gesanglich durchaus sicher und wird von der riesigen Schlange durch die drei im theatralen und gesanglichen Zusammenspiel gut besetzten Damen (Elizabeth Reiter, Nina Tarandek, Marie-Luise Dreßen) gerettet.

Sehr statisch hingegen der stimmlich gut besetzte Sarastro (Luke Stoker) und Danae Kontora als Königin der Nacht, die auf einer Halbkugel eine darstellerisch typische Arie „Der Hölle Rache“ singt. Obendrein scheinen die Solisten auf der Bühne oft allein gelassen. Dass auch Emotion durchaus in dieser Produktion Platz hat, zeigt Keith Bernard Stonum als Monostatos. Er möchte Pamina im emotionalen Anfall für sich gewinnen.

Im Übrigen ist Ana Maria Labin als Pamina stimmlich wie emotional eine Lichtgestalt in dieser Inszenierung und wirft im Duett „Bei Männern welche Liebe fühlen“ einen langen Schatten auf Max Simonischek als Papageno. Hier vermisst man in dieser Rolle letztendlich doch einen gut ausgebildeten Sänger. Simonischek hält sich trotzdem tapfer, lässt aber den seichten Wortwitz nicht aus und kann mit seiner aus dem Grab entstiegenen „Zombie-Papagena“ (Theresa Dax) überzeugen. An eine Inszenierung wie sie Philippe Arlaud mit „Rigoletto“ 2017 im Steinbruch gemacht hat, kommt diese Inszenierung von Carolin Pienkos und Cornelius Obonya bei weitem nicht heran. Da hätte es mehr kreative Einfälle, wie die drei „Segway-Knaben“ (die St. Florianer Sängerknaben) und klügerer und sinnvollerer Gruppen- und Personenführung gebraucht. Das Orchester der Budapester Philharmonischen Gesellschaft gemeinsam mit dem Philharmonia Chor Wien unter dem Dirigat von Karsten Januschke stand bei dieser Produktion auf den sichersten musikalischen Beinen. Kurz gesagt: Es wäre bei dieser Inszenierung noch Luft nach oben gewesen. – Dietmar Baurecht –

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 29/2019, S. 34

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: