Dietmar Baurecht

Schloss-Spiele Kobersdorf: Theaterkunst im Kobersdorfer Schloss

In neu on 2017/07/23 at 09:30

Wen Kleists „Zerbrochner Krug“ in der Schule noch zum Seufzen brachte, der wird in der Inszenierung von Werner Prinz positiv überrascht sein. Bei Richter Adam, der es sich gut richten konnte, wird die Decke brüchig. Es könnte keinen Besseren für die Rolle des
Dorfrichters geben als Wolfgang Böck: Schleimig gegenüber Gerichtsrat Walter – kühl und präzise von Alexander Strömer gespielt – bösartig drohend auf Nachbarin Eve einredend, die von Saskia Klar in ihrem Zwiespalt nicht besser dargestellt werden könnte, versucht sich der kahlköpfige Adam heraus zu manövrieren. Es viele Verfehlungen Adams, die nun vor dem strengen Gerichtsratsauge zum Vorschein kommen So muss auch die unschuldige Eve über die Klinge springen, denn sie kriegt von ihrer Mutter Marthe Rull (Hannah Hohloch) und ihrem Verlobten Ruprecht, der von Béla Bufe in seiner gekränkten Männlichkeit panisch gut gespielt wird, gehörig eingeschenkt. Gestik und Mimik werden vom Ensemble präzise umgesetzt. Es ist ein wahres Kammerspiel, bei dem man immer wieder Neues entdecken kann. Wer Erich Schleyer als
Operndirektor in „Otello darf nicht platzen“ gesehen hat, wird ihn in der Rolle der Frau Brigitte mit Perücke am Schluss lieben: Er spielt reduziert, klar und umso unterhaltsamer. Kobersdorf bietet hier eine befreite Fassung des Lustspiels, das auch an Tiefe nichts missen lässt.

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 28/2017, S. 54

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