Dietmar Baurecht

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Haydnfestival | Reicher: „Neue Ära bricht an“

In neu on 2016/08/31 at 10:53

 

Intendant Walter Reicher verrät im BVZ-Gespräch, wie es nach der Trennung von Esterházy mit dem Festival weitergeht.

Die Internationalen Haydntage – von 8. bis 18. September auf Schloss Esterházy – gehen in diesem Jahr in alter Form zu Ende. Die BVZ fragte Intendant Walter Reicher, was er 2017, nach der Trennung von Land und Esterházy, ohne Haydnsaal und ohne „Österreichisch-Ungarische Haydnphilharmonie“ anfangen werde.

„Tun wir nicht so, als ob das das Wichtigste wäre“, meint Reicher. „Es ist eine neue Ära, die anbricht, und die tut Haydn ganz gut. Das Orchester wird niemandem abgehen. Wir werden für Fischer ein anderes Orchester haben.“ Und der Saal? „Der Saal wäre sehr schön, aber wenn man nicht dabei sein will im Haydnland, kann ich auch nix machen.“

Haydn an neuen Orten: Von Wien bis zur „Mole“

Nach Reicher mache es Sinn, „den Zyklus fortzusetzen“, der mit den 28. Internationalen Haydntagen noch im Haydnsaal begonnen wird. „Haydn und Böhmen“ ist der Auftakt, bei dem Haydns erste Dienstjahre beim Grafen Morzin und die dort entstandenen Werke im Mittelpunkt stehen. 2017 steht dann Paris und 2018 London am Plan.

„Es waren Mosaiksteinchen, die neu zusammengesetzt werden mussten“, wie Reicher die Programmierung für das kommende Jahr umschreibt, denn „zeitlich stand kein geeigneter Saal zur Verfügung“ oder „zu einem anderen Termin konnten die Künstler nicht“.

Den Haydnsaal sollen dann, passend abgestimmt, neue Orte ersetzen: Neben Wien oder Kittsee steht auch die „Mole West“ als Ort zur Verfügung. Glücklich ist Walter Reicher, dass der Hausdirigent der Internationalen Haydntage auch 2017 wieder dabei ist: „Adam Fischer wird nächstes Jahr in der Basilika in Frauenkirchen ein großes Konzert geben.“

Für Reicher sind die kommenden Jahre kein Ende: „Es ist ja nur ein Schauplatz- und Perspektivenwechsel. Im nächsten Jahr wird es die Haydntage im Haydnland geben.“ Der Termin für das Programm im neuen Gewand steht Ende des Sommers fest und dies soll auch in den kommenden Jahren so bleiben, denn Reicher hält „vom Springen zu immer wieder anderen Terminen“ nichts.

Infos und Karten im Internet unter www.haydnfestival.at

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 33/2016, S. 34

Schloss Esterházy | Picknickkonzerte

In neu on 2016/08/17 at 10:53

Wenn Karsten Januschke für Donizettis „Der Liebestrank“ unterwegs ist, setzt sich der Dirigent aufs Rad und fährt durch die idyllische Landschaft von St. Margarethen in den Steinbruch. Auch Eisenstadt stand schon mal am Ziel, wenn es hieß „Die Schneekönigin“ zu dirigieren. Ob diese Fahrten wohl auch das Programm für die Picknickkonzerte auf Schloss Esterházy beeinflusst hätten, verneint Januschke. Da sei er ganz ehrlich: „Blumenstrauß-Programme sind immer sehr, sehr anspruchsvoll!“

Eine lange Recherche, die Abfolge und die Länge der einzelnen Musikeinlagen und die Auswahl der Sänger stehen am Anfang, wie er im Gespräch mit der BVZ festhält. Einzig „die Zeit zum Nachdenken“ haben diese Fahrten für ihn gebracht.

Der Schwerpunkt des Programms am 13. und 14. August liegt nun auf italienischer Oper: Donizetti, Rossini oder Verdi. „Stanley Kubrick hat in seinem Film ,A Clockwork Orange‘ Rossinis ,La gazza ladra‘ großartig persifliert. Und seitdem habe ich Assoziationen zu dieser Musik, die nicht so brav sind“, wie Januschke meint. Diese Ouvertüre zu Rossinis „Die diebische Elster“ eröffnet auch die Konzerte am kommenden Wochenende: „Vielleicht hat die Elster vorher etwas aus dem Picknickkorb geklaut“, meint der Dirigent augenzwinkernd.

Neben den bekannten Arien werden die Sänger auch halbszenisch agieren. So wird Uwe Schenker-Primus, der den Dulcamara im Steinbruch singt, beim Konzert als „Falstaff“ zu erleben sein. Auch ein Vorgeschmack auf 2017 ist dabei: Das berühmte Quartett aus Verdis „Rigoletto“ steht am Programm. Was für Januschke besonders wichtig ist: „Wir wollen ein anspruchsvolles Programm mit Highlights bieten. Wo der Zuhörer, der auch wegen des Picknicks da ist, in den Genuss von Musik kommt, die er kennt.“ (Dietmar Baurecht)

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 32/2016, S. 34

Akademietheater | Candy’s Camouflage

In neu on 2016/08/17 at 10:47

Chris Harings Choreografie „Candy’s Camouflage“ setzt sich im Akademietheater mit der Bedeckung von Pop-Art-Ikone Andy Warhol bekannter Diva Candy Darling auseinander und dringt hinter die großen Posen, die CloseUps die Inszenierung: Verzerrungen und Schreie dringen aus den surrealen ineinander greifenden schwarz-weißen Bildern hervor und decken auf. Bewundernswert die drei kameraführenden Darstellerinnen, ohne die das exakte symbiotische Spiel zwischen Tanz und Übertragung auf die große Leinwand dahinter nicht möglich gewesen wäre. Für den Betrachter gilt: nicht verstehen und treiben lassen. Bei der Version für das Leopold Museum wird es am 10. August beim „ImPulsTanz-Festival“ nochmals spannend. (Dietmar Baurecht)

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 31/2016, S. 34

Stockerau | Der Diener zweier Herren

In Kultur, neu, Theater on 2016/08/11 at 09:53

Das Spiel im Spiel, wo Christoph F. Krutzler den Brighella (Wirt) und den Theaterdirektor einer Wandertruppe spielt, braucht es in Stockerau nicht. „Der Diener zweier Herren“ ist sich selbst genug. Vor allem in dieser flotten und eingespielten Produktion stottert es genau nur dann, wenn der Direktor seine Truppe aus anderen Stücken wie „Hamlet“ oder „Romeo und Julia“ wieder ins Stück zurückführen muss – zwischen diesen beiden Rollen springt der Südburgenländer Krutzler perfekt.

Einen muss man wohl aus dieser ausgezeichneten Ensembleleistung mit perfekt musikalisch, pointierter Geräuschkulisse hervorheben: Okan Cömert gibt dem Diener zweier Herren eine ungeahnte Rasanz. Wie ein Eichhörnchen auf Drogen flitzt er über die Bühne und spielt trotzdem ungeheuer klar und präzise.

„Der Diener zweier Herren“ mit Krutzler in der Doppelrolle läuft noch bis 6. August in Stockerau. Am 13. August ist Krutzler Teil der Lesung auf der Pinka im Rahmen des Picture-On-Festivals. (Dietmar Baurecht)

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 31/2016, S. 37

Theater an der Wien | El Juez

In Kultur, neu, Oper on 2016/08/03 at 18:00

Es beruht wohl auf Vertrauen, dass der Burgenländer Christian Kolonovits für José Carreras eine eigene Oper schreiben konnte. Der Juli bot die Chance, „El Juez“ (Der Richter) im Theater an der Wien zu sehen. Kolonovits jongliert zwischen Jazz, Pop, Rock und spanischem Kolorit – lässt Oper und Musical eine Liaison eingehen und bietet einen gefälligen Einstieg ins tragische Musiktheater.

Das Libretto schrieb die Burgenländerin Angelika Messner. Sie konstruierte ein gut verwobenes Libretto, das auf einer realen Begebenheit beruht – der Verschleppung von Kindern unter der spanischen Franco-Diktatur.

Die Rolle des diktaturstützenden Richters, aber auch daran zweifelnden Richters ist auf Carreras abgestimmt. In dieser Rolle entdeckt er seinen Bruder, einen Liedermacher, erst bei dessen Tode. Diese gegensätzlichen Paare tragen diese Oper. Die Inszenierung von Emilio Sagi im Theater an der Wien hätte aber durchaus stärker das entsetzliche Thema transportieren können und die Sänger ein Mehr an Personenführung vertragen.

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 30/2016, S. 33