Dietmar Baurecht

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Steinbruch St. Margarethen | Der Liebestrank

In neu on 2016/07/20 at 11:40

Donizettis „Der Liebestrank“ passt perfekt auf die kleine Ruffini-Bühne in St. Margarethen. Unkonventionell der alles überragende Wurlitzer, der den Rahmen gibt. Sein Plattenteller stellt den Dorfplatz dar, wo Chor und Sänger in Kostümen die Fifties aufleben lassen.

Dort kommt der tölpelhafte Nemorino (Tamás Tarjányi) in seinem Liebeswerben für die reiche Adina (Elena Sancho Pereg ) nicht weiter. Erst als der Hippie-Wagen des Quacksalbers Dulcamara einfährt – Uwe Schenker-Primus gibt in dieser Rolle ordentlich Schwung –, beginnt sich das Liebesblatt zu drehen und der „militante“ Gegenspieler (Andrei Bondarenko) geht leer aus. Ob nun Adina nicht die Sicherung ihres Besitzes durch Nemorino, dem unsicheren Leben einer Soldatenbraut des Belcore vorgezogen hat, bleibt dahingestellt. Eine bessere Personenführung hätte gut getan.

Die Leistung der Sänger und des Orchesters bleibt davon aber unberührt, hervorragend. Fazit: Auf der kleinen Bühne im Steinbruch wird nur alle fünf Jahre große Oper gegeben. Diese Produktion kann sich sehen und hören lassen. (Dietmar Baurecht)

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 28/2016, S. 46

Schloss-Spiele Kobersdorf | Otello darf nicht Platzen

In neu on 2016/07/20 at 10:18

Warum der Startenor gleich zwei Otello-Outfits und die dunkle Schminke im Gepäck hat? Ist es Extravaganz oder misstraut er den Opernmachern in der Provinz? Zutaten, die das turbulente Stück von Ken Ludwig braucht, um den Verwechslungsreigen auszulösen.

Kein Haar passt zwischen Wolfgang Böck und der Rolle des Startenors. Gemeinsam mit Marie-Therese Futterknecht als eifersüchtige Ehefrau geben sie ein lautes, gestikulierende Italo-Paar. Dazu kommt: Erich Schleyer, ein Operndirektor zwischen Rage und Verzweiflung, sein Adlatus (Gerhard Kasal) – ein ungewolltes, perfektes Otello-Double – und dessen liebste (Anna Kramer), mehr als ein gewöhnliches Star-Tenor-Fan – komplettieren das Dreamteam vo glatter Art-Deco-Bühne. Fazit: Tantiemen für ein Boulevard-Stück zu zahlen, lohnt. (Dietmar Baurecht)

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 28/2016, S. 46

Seefestspiele Mörbisch | Viktoria und ihr Husar

In neu on 2016/07/20 at 10:13

Seit 1930 ist viel Wasser durch das „Ungarnland! Donauland! Heimatland!“ geflossen, als Paul Abrahams Operette „Viktoria und ihr Husar“ ihre Uraufführung feierte. Vor mehr als 40 Jahren war sie zum letzten Mal auf der Seebühne Mörbisch zu sehen. Und heute legen die Seefestspiele dieses Werk ganz traditionell mit voller Klischeekeule an – trippelnde Japanerinnen eingeschlossen. Die dramaturgische Flaute des Werks wird aber durch einen revueartigen Glamoursturm weggefegt. Es ist eine perfekte Show mit Verwandlungen und tollen Tanzszenen, wie man sie bei den Seefestspielen in Mörbisch gewohnt ist. Besonders die beiden Buffo-Pärchen (Katrin Fuchs, Andreas Sauerzapf, Verena Barth-Jurca, Peter Lesiak) bringen ungeahnte stimmliche Leichtigkeit und Dynamik in den Ablauf. Dagmar Schellenberger als Viktoria, Andreas Steppan als ihr Ehemann und ihr heißbegehrter Husar (Michael Heim) nehmen leider Tempo raus. Fazit: Wer glamouröse und sattelfeste Shows liebt, ist in Mörbisch immer gut aufgehoben. (Dietmar Baurecht)

Erschienen in der Burgenländischen Volkszeitung (BVZ), Woche 28/2016, S. 46